Lesepatenschaft

Lesepatenschaft an der Peter-Meyer-Schule

„Doris mag Eis“, steht in roten und schwarzen Silben auf der bunt bebilderten Buchseite. Das Mädchen, dessen Kopf sich darüber beugt, kämpft wiederholt damit, die einzelnen Buchstaben zusammenzufügen. Immer wieder stockt das Mädchen und blickt hilfesuchend auf die Dame, die neben ihr sitzt und dem Kind mit Engelsgeduld  Zeichen für Zeichen den Weg durch den Buchstabendschungel weist.  Die Dame am Tisch ist Waltraud Neininger, die sich als ehrenamtliche Lesepatin an der Peter-Meyer-Schule gerade mit einem ihrer Schützlinge trifft und der Schülerin  beim Lesenlernen hilft.

Mit ihrem Problem steht das Mädchen dabei keineswegs alleine da: Fast 20% der deutschen Viertklässler haben Probleme beim Lesen, das ergab die letzte Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) von 2017,  in den unteren Grundschulklassen ist die Zahl sicher nicht kleiner.  In jeder Grundschulklasse gibt es statistisch betrachtet also mindestens 3-4 Kinder, die nicht richtig lesen und schreiben können.  Die Ursachen hinter den Leseproblemen sind dabei so unterschiedlich, wie die Kinder selbst: Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken, eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder einfach die Tatsache, dass Deutsch die Fremdsprache ist, die nur in der Schule gesprochen wird.

Auch in der Schramberger Peter-Meyer-Schule ist dies nicht andres. Lesepatenschaften sind eines der Mittel, auf die man hier setzt, um gezielt Schüler fördern zu können und  ihnen ganz nebenbei auch noch die Freude am Lesen zu vermitteln.  „Durch Lesepaten kann man mit unsicheren Schülern in regelmäßigen, hochkonzentrierten Einheiten arbeiten. Sie erhalten Unterstützung, Hilfe und Führung von jemandem, der sich nur auf sie konzentriert. Das ist im normalen Unterricht nicht immer möglich – schon gar nicht so intensiv. Ein Lesepate ist vor allem für leseschwache Kinder deshalb wichtig und hilft ihnen enorm“, so Schulleiter Michael Kasper. Wichtig sei nicht nur die direkte Förderung sondern vor allem auch die persönliche Beziehung, die eine Lesepatenschaft möglich mache. Für viele sei Waltraud Neininger  inzwischen zu einer Art Ersatzoma geworden, zu der man immer wieder gerne komme.

Auch Waltraud Neininger kommt gerne in die Schule. Es war ein Artikel in der Zeitung, der  sie einst auf die Idee brachte, Lesepatin zu werden. Sie sei schon immer ziemlich aktiv gewesen, erzählt sie.  Zu Hause zu sitzen sei auch jetzt, im Ruhestand, unvorstellbar- die Lesepatenschaft sei da genau das Richtige für sie.  „ Ich arbeite gern mit Kindern“, erzählt sie. „Man braucht halt viel Geduld und Einfühlungsvermögen, aber man bekommt auch wirklich viel zurück von den Kleinen. Es macht Spaß, mit ihnen zu üben und zu sehen, wie sie sich verbessern. Man freut sich mit ihnen über jeden Fortschritt und wenn der ehemalige Schützling dann irgendwann sogar den Abschluss macht, ist das schon toll.“  

Wie lange sie ein Kind begleitet ist dabei ganz unterschiedlich und individuell, auch das Alter der Kinder variiert. Die meisten kommen aus der Grundschule, gelegentlich ist aber auch jemand aus der 5. oder 6. Klasse dabei, der noch etwas Schützenhilfe braucht.  Für alle aber gilt: Übung macht den Meister. Genau dabei können die Kinder auf Waltraud Neininger und ihre Buchstabenfibel zählen, die sich Woche für Woche erneut auf den Weg in die Peter-Meyer Schule machen um den Kindern etwas Starthilfe zu geben, denen die Übung im Unterricht nicht ganz ausreicht. Wer es sich übrigens vorstellen kann, genau wie Waltraud Neininger Lesepate oder Lesepatin zu werden, wende sich einfach an das Team der Freiwilligenbörse im JUKS3.

Nicola Hartmann, Schwarzwälder Bote